Filmforum Höchst

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Aufblende

Mit Maren Ade und TONI ERDMANN kehrte der „ Deutsche Film“ in diesem Jahr triumphal nach Cannes zurück. Im Festivalpalais vom Publikum gefeiert, erntete er begeisterte Kritiken, allein der Zeitung „Le Monde“ waren der Film und seine Regisseurin eine ganze Seite wert. Dass es dann überraschender Weise doch keine Palme gab, änderte an der positiven Aufnahme nichts und wir freuen uns, unserem Publikum zum Programmbeginn nach unserer Sommerpause TONI ERDMANN zu präsentieren.

Nach der der burlesken Komödie LOS AMANTES PASAJEROS, die nicht jedermanns Zustimmung fand, ist Pedro Almodóvar jetzt wieder zum Genre des Melodramas zurückgekehrt. Mit JULIETA hat er einen atmosphärisch dichten, perfekt fotografierten und vor allem überragend gespielten Film geschaffen, der an seine großen Meisterwerke wie TODO SOBRE MI MADRE oder LOS ABRAZOS ROTOS anschließt.
Etwa zur gleich Zeit wie JULIETA startet in den deutschen Kinos Julio Medems MA MA, der auch eine starke Frauenfigur in den Mittelpunkt seines ebenfalls melodramatischen Films stellt. Und noch ein Bezug zwischen den beiden Filmen ist zu vermerken. Während Almodóvar die Medem – Favoritin Emma Suárez für die Hautrolle seines Films gewonnen hat, besetzt Medem seine Hauptrolle mit Penélope Cruz, die durch Almodóvars Filme zum Star wurde.

In den europäischen Städten wird das Wohnen immer teurer, selbst Normalverdiener können es sich kaum mehr leisten in den Metropolen zu leben, Menschen werden verdrängt, nur die Gutverdienenden oder Touristen können sich das Wohnen in der Stadt noch erlauben. Auch Stéphanie, die 40jährige Protagonistin des französischen Films RETOUR CHEZ MAMAN – WILLKOMMEN IM HOTEL MAMA (Eric Lavaine), kann sich nach dem Verlust ihrer Arbeit keine eigene Wohnung mehr leisten. So zieht sie wieder bei ihrer Mutter ein. Daraus entwickelt sich eine äußerst amüsante Komödie, die schließlich das „Minenfeld“ Familie zum Thema hat.
Einen Wendepunkt erlebt auch die Philosophielehrerin Nathalie (Isabelle Huppert) in Mia Hansen-Løves neuem Film L´AVENIR – ALLES WAS KOMMT. Sie muss sich mit einer veränderten privaten Situation arrangieren kämpft zugleich gegen die Veränderungen der Gesellschaft an, die ihren pädagogischen sowie philosophischen Werten und Überzeugungen immer weniger entsprechen.

„Zum ersten Mal war ich in einer Stadt, in der die arbeitende Klasse im Sattel saß“ (George Orwell über seine Ankunft in Barcelona in „Mein Katalonien“)
Der Anarchismus/ Anarchosyndikalismus hatte in Spanien eine lange Tradition. Zu Beginn des spanischen Bürgerkriegs (1936 – 1939) kontrollierte die anarchosyndikalistische Gewerkschaft CNT Teile des Landes, vor allem Katalonien und somit die Metropole Barcelona. Hier organisierte die CNT die libertäre Gesellschaft und die industrielle Produktion. Eine nach den Prinzipien des Anarchosydikalismus ausgerichtete herrschaftsfreie Gesellschaft war in greifbare Nähe gerückt. In der Folge wurde der Einfluss der Anarchisten und ihrer mächtigen 1 Million Mitglieder starken Gewerkschaft CNT von den Kommunisten und Sozialisten zurückgedrängt. Schließlich siegten die Franco Truppen. Die CNT ging in den Untergrund und organisierte sich in wesentlich kleinerem Maße wieder nach dem Ende des spanischen Faschismus im Jahr 1976.
In seinem Dokumentarfilm MEMORIA VIVA erzählt Antonio J. García de Quiros Rodríguez zum 80jährigen Jubiläum der „Spanischen Revolution“ 1936 die Geschichte der CNT aus der Perspektive ihrer Protagonisten.

Kurz nach der portugiesischen „Nelkenrevolution“ im April 1974 fuhr der Frankfurter Filmemacher Malte Rauch nach Portugal, um den gesellschaftlichen Wandel zu dokumentieren. Sein 1975 fertiggestellter Film VIVA PORTUGAL wurde zum Erfolg nicht nur in den Programmkinos. So eröffneten wir unser erstes Monatsprogramm unter dem Namen Filmforum Höchst 1975 mit Rauchs Film (neben Wenders´ ALICE IN DEN STÄDTEN). Am 8. September zeigen wir den Film in seiner digitalisierten Fassung wieder – in Anwesenheit von Malte Rauch.

Wie die gesellschaftliche Realität in Portugal heute aussieht, nach Jahren einer auferlegten Austeritätspolitik, nach der Verarmung ganzer Bevölkerungsschichten, davon erzählt der – zurzeit wohl interessante – portugiesische Regisseur Miguel Gomes in einem poetischen, realistischen,  dokumentarischen und  fiktionalen dreiteiligen Film 1001 NACHT:
„Nachdem ich mir den 2h 40min langen Zusammenschnitt der Finken und Vogelfänger angeschaut habe, sehe ich langsam, was 1001 NACHT sein könnte. Ich rufe den Produzenten an, um es ihm mitzuteilen:
— «Urbano?»
— «Ja?»
— «Willst du die gute oder die schlechte Nachricht?»
— «Die gute.»
— «Es werden drei Filme.»
— «Und die schlechte?»
--- «Es werden drei Filme.»
— «
(Miguel Gomes)
Wir zeigen die drei Teile, die allerdings auch unabhängig voneinander angeschaut werden können, jeweils zweimal vom 9. – 14. September.

Am 28. September ist der grönländische Schamane, Jäger und Geschichtenerzähler Hivshu, der zu diesem Zeitpunkt in Hofheim einen Workshop leitet (hivshu.wordpress.com), zu Gast im Filmforum. Er ist der Urenkel des US-amerikanischen Polarforschers Robert E. Peary, der zwischen 1891 und 1909 zahlreiche Expeditionen in die Arktis unternahm und im Mittelpunkt des Films THE PRIZE OF THE POLE - SPUREN IM EIS von Staffan Julén steht.  
 
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