Filmforum Höchst

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Aufblende

 
„Es gibt zu viel Überwachung. Das Grundrauschen ist zu groß. Zuviel Überwachung hilft den Terroristen, unbeachtet zu bleiben.“ – „Wir haben immer mehr Geräte, die mit dem Internet verbunden sind. Viel mehr Menschen haben heute Smartphones oder smarte Uhren am Handgelenk. Haushaltsgeräte gehen online. Dadurch entstehen immer mehr Daten, bei denen sich Firmen oder Regierungen bedienen können, um unser Verhalten zu vermessen und uns zu observieren.“ (Edward Snowden, Der Freitag, 29.09.2016)
Der „Whistleblower“ Edward Snowden, der sich im Jahre 2013 vergeblich um politisches Asyl in Deutschland beworben hat, steht im Mittelpunkt einer Filmwoche zum Thema Whistleblower. Neben dem Spielfilm SNOWDEN von Oliver Stone zeigen wir Laura Poitras´ grundlegenden und richtungsweisenden Dokumentarfilm CITIZEN FOUR, der sozusagen von Snowden mit konzipiert wurde, den Film A GOOD AMERICAN über den Whistleblower Bill Binney und Cyril Tuschis DIGITALE DISSIDENTEN.

Literatur ist für mich lange Zeit das Mittel gewesen, über mich selber, wenn nicht klar, so doch klarer zu werden Sie hat mir geholfen zu erkennen, daß ich da war, daß ich auf der Welt war“. Peter Handke, ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms, 1967
„Es wird nämlich verkannt, daß die Literatur mit der Sprache gemacht wird, und nicht mit den Dingen, die mit der Sprache beschrieben werden. In dieser neuaufkommenden Art von Literatur werden Dinge beschrieben, ohne dass man über die Sprache nachdenkt…“
Peter Handke: Zur Tagung der Gruppe 47 in den USA
(beide Zitate aus: Peter Handke, Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms, Suhrkamp, Frankfurt 1972)
Ein Glücksfall ist Corinna Belz´(GERHARD RICHTER PAINTING) neuer Dokumentarfilm PETER HANDKE - ICH BIN IM WALD. KANN SEIN, DASS ICH MICH VERSPÄTE in der sich die Regisseurin behutsam aber bestimmt dem Schriftsteller Handke nähert. Wir erleben einen aufgeschlossenen und „schüchtern- frechen“ (Handke) Schriftsteller, der von seinem Leben als Autor und von seinen literarischen Überzeugengen berichtet, von seinem Werk, das jenseits der allgemeinen „Storytelling – Scheiße“ (Handke) anzusiedeln ist.
Auch Christa Wolf ist in ihrem Werk neue Wege gegangen, hat mit ihrem persönlichen Romanen „Nachdenken über Christa T.“ und „Kindheitsmuster“ die Selbsterfahrung und Subjektivität zur Grundlage ihrer Literatur gemacht.  
In Karlheinz Munds 1990 im Defastudio für Dokumentarfilm entstandenen Film ZEITSCHLEIFEN legt Wolf ihre Gedanken zur Literatur und zum Literaturbetrieb der DDR dar.  
Reflexionen des eigenen Lebens finden sich im Briefwechsel von Paul Celan und Ingeborg Bachmann, die in den 1960er Jahren für eine Erneuerung der Lyrik stand. Ruth Beckermann lässt in ihrem Film DIE GETRÄUMTEN einen Schauspielerin und einen Schauspieler aus Bachmanns und Celans Briefen lesen. Das Drehbuch zu diesem Film stammt von Ruth Beckermann und der neuen Frankfurter Kulturdezernentin, Literaturkritikerin und Bachmannspezialistin Ina Hartwig.  

Das sozial engagierte Kino ist sowohl in Groß Britannien als auch in Frankreich kontinuierlich präsent auf den Leinwänden, durchaus erfolgreich und immer wieder durch Filmpreise ausgezeichnet. So erhielt Ken Loachs neuester Film I DANIEL BLAKE im letzten Mai die goldene Palme des Festivals von Cannes. In bewährter Manier erzählt Loach die Geschichte seines Protagonisten Daniel Blake, der sich nach einem Herzinfarkt in der ausufernden Bürokratie des englischen Sozialsystems verfängt und in eine ausweglose Situation gedrängt wird. I DANIEL BLAKE ist ganz sicher einer der eindringlichsten Filme Ken Loachs. Den Verfall des Sozialstaats und die Rücknahme von Sozialprogrammen schilderte Loach in seinem 2013 entstandenen Dokumentarfilm THE SPIRIT OF ´45, der anhand von Archivmaterial  die Sozialgeschichte Groß Britanniens zeigt, beginnend mit dem Jahr 1945, in dem sozialistische Ideale der Labour Party noch bestimmend für die Politik waren, bis zum stückweisen und in der Thatcher Ära ruckhaften Abbau der sozialen Standards.
Mit der ausweglosen Situation eines Arbeitslosen gegenüber einer sinnlosen Arbeitsvermittlung und der Gnadenlosigkeit der Banken beschäftigt sich auch Stéphane Brizé in seinem Film LA LOI DU MARCHE – DER WERT DES MENSCHEN. Auch hierfür gab es eine Palme, nämlich für den Schauspieler Vincent Lindon in der Rolle des Protagonisten Thierry.

Mit FUOCOAMMARE – SEEFEUER zeigen wir einen weiteren prämierten Film, der sich mit der mit der gesellschaftlichen Realität beschäftigt. Gianfranco Rosi, der im Februar dieses Jahres für seinen Film mit dem goldenen Bären ausgezeichnet wurde, erzählt in seinem Dokumentarfilm zunächst vom Leben auf der italienischen Insel Lampedusa, im Mittelpunkt steht der 12jährige Samuele. Aber Lampedusa ist auch das Ziel vieler Flüchtlinge aus Afrika und gleichsam eine Metapher der Fluchtbewegungen nach Europa. Die Flüchstlinge sehnen sich nach Frieden, Freiheit und Glück und werden oft nur noch tot aus dem Wasser geborgen. So sind die Einwohner von Lampedusa tagtäglich Zeugen einer der großen humanitären Tragödien unserer Zeit.
Zwei Spielfilme beschäftigen sich ebenfalls – auf ganz verschiedene Weise - mit dem Thema „Flüchtlinge“. Rafi Pitts erzählt in SOY NERO von Mexikanern, die sich, um in die USA zu gelangen, als Soldaten für den Einsatz im Irak anwerben lassen. In WELCOME TO NORWAY von Rune Denkstad Langlo sehen wir einen xenophoben norwegischen Hotelier, der an den Flüchtlingen verdienen will.

Lang erwartet kommt jetzt der „neue Jarmusch“ ins Kino: PATERSON, eine schöne Jarmusch - typische humorvoll – melancholische Geschichte, die von Paterson (Adam Driver) in der amerikanischen Kleinstadt Paterson erzählt und ab 8. Dezember bei uns zu sehen sein wird.
Dazu spielen wir den Dokumentarfilm FRANK ZAPPA – EAT THE QUESTION über den außergewöhnlichen Avantgarde- und Rockmusiker.

Außerdem zeigen wir über Weihnachten den neuen Film der Brüder Dardenne LA FILLE INCONNUE – DAS UNBEKANNTE MÄDCHEN und die bildgewaltige Wilhelm Hauff Verfilmung DAS KALTE HERZ sowie über den Jahreswechsel Woody Allens CAFÉ SOCIETY und passend zu den Wintertemperaturen den finnischen Saunafilm WAS MÄNNER SONST NICHT ZEIGEN .

Und schließlich präsentiert „Aufblende e.V.“ in der Reihe 70 Jahre DEFA Frank Beyers 1966 entstandenen und in der DDR verbotenen Film SPUR DER STEINE. Wir erinnern damit zugleich an den am 21. Oktober dieses Jahres verstorbenen Schauspieler Manfred Krug.

Und so wünschen wir unserem Publikum schöne Weihnachtsfeiertage und einen guten Start ins neue Jahr.

 
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