Filmforum Höchst

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AUFBLENDE

      
„Mein Film ist ein Warnruf an die Politiker, weil sie die Hauptverantwortlichen sind.“ sagt Ladj Ly über seinen Film LES MISERABLES – DIE WÜTENDEN, der ein Schock für das französische Publikum war, zeigt er doch die verfahrende Situation der Pariser Vororte unverblümt aus der Sicht eines Regisseurs, der dort aufgewachsen ist und im Grunde nur das erzählt, was er selbst erlebt hat: die Organisation des Vorortes, die Machtverhältnisse zwischen den verschiedenen Akteuren, die Übergriffe der Polizei und die Aktionen und Reaktionen der Jugendlichen.
Der Film spielt an einem einzigen Tag im Pariser Vorort Montfermeil. Aus einem zunächst eher banalen Konflikt treibt das Geschehen auf einen Aufstand zu. Am Schluss friert der Film ein, in einer Situation, von deren Ausgang Leben und Tod abhängt, ähnlich wie in dem 1995 entstandenen Film LA HAINE von Matthieu Kassovitz. Und man fragt sich, was hat sich verändert und wenn ja, hat es sich zum Schlechteren verändert? Ein Warnruf an die Politiker. Der französische Schriftsteller Eric Vuillard schrieb über LES MISERABLES: “Durch Montfermeil sind nicht die Viertel nördlich von Paris beschrieben, sondern die französische Gesellschaft. Mit LES MISERABLES wird Montfermeil zur gesamten französischen Gesellschaft“. Nebenbei ist der Film nicht gekennzeichnet von den üblichen Klischees der Vorort– Filme. Es gibt keine Drogen, keine Schusswaffen und keinen alles übertönenden Rap als atmosphä­rischen Background. Es gibt einfach eine Situation, die dringend einer Lösung im sozialen Bereich bedarf.

Am 29. März, fünf Wochen nach ihrem letzten Auftritt auf der Berlinale anlässlich der Präsentation ihres neuesten Films AGNÉS PAR VARDA ist die französische Regisseurin Agnés Varda, Mitbegründerin der Nouvelle Vague, in Paris gestorben. In ihrem letzten Film lässt sie noch einmal ihr (cineastisches) Leben Revue passieren. Filme wie CLEO DE 5 A 7, NI TOIT NI LOI mit der jungen Sandrine Bonnaire, LES GLANEURS ET LA GLANEUSE, ihr Leben mit Jacques Demy, ihre Reisen in die USA nach Kalifornien und die Teilhabe an den avantgardistischen und politischen Bewegungen der späten 1960er und frühen 1970 Jahre prägten ihr Leben. So führt der Film nicht nur ihr Leben und ihr erstaunliches Werk, sondern auch eine ganze Epoche vor Augen.
„Mein Wunsch war, die vielen unsichtbaren Leben so vieler Frauen in dieser Zeit sichtbar zu machen – sie zum Leuchten zu bringen“ sagt der brasilianische Regisseur Karim Ainouz über seinen neuen Film A VIDA INVISÍVEL DE EURÍDICE GUSMÃO – DIE SEHNSUCHT DER SCHWESTERN GUSMÃO. Entstanden ist ein tropisches Melodram im besten Sinne, mit leuchtenden Bildern, einem großen epischen Bogen und zwei beeindruckenden Hauptdarstellerinnen (Carol Duarte und Julia Stockler) die den Film zu einem Kinoerlebnis machen.

Was passiert, wenn alle zu Scheinselbständigen werden, wie jetzt schon Kurierfahrer, Fahrradkuriere und Uber-Fahrer, wenn Unternehmen keine Sozialversicherungsabgaben mehr zahlen, wenn der bezahlte Urlaub und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Errungenschaften der Arbeiterbewegung verschwinden und die Menschen ihre Ar­beitsgeräte selbst stellen müssen, kurz wenn die sozialen Sicherungssysteme mehr und mehr zerstört werden? Ken Loach zeigt in seinem neusten Film SORRY WE MISSED YOU eine dunkle Realität, in der sein Protagonist als selbstständiger Kurierfahrer einem immer größer werdenden Zeitdruck (und Schuldendruck) unterliegt und schließlich in eine fast ausweglose Situation gerät.

Der französische Film LES INVISIBLES – DER GLANZ DER UNSICHTBAREN on Louis Julien Petit erzählt von Frauen, die sich nicht den prekären Verhältnissen in denen sie leben und dem daraus entstehenden gesellschaftlichen Druck beugen wollen. Sie wehren sich dagegen, von der Gesellschaft ausgeblendet, „unsichtbar“ zu werden. Zusammen mit Sozialarbeiterinnen gehen sie ganz eigene Wege und betreiben mit allen Mitteln ihre Reintegration.

März

Was verbindet die Filme 1917, ROPE – COCKTAIL FÜR EINE LEICHE und VICTORIA­, die am Anfang des Monats im Filmforum zu sehen sind? Nicht die erzählten Geschichten, nicht die Regisseure, die Zeit oder der historische Hintergrund, sondern der Einsatz einer Plansequenz, die den ganzen Film bestimmt. Die „Plansequenz“ besteht in der Regel aus einer einzigen, langen und ungeschnittenen Einstellung, die Szenenänderungen erfolgen durch die Inszenierung der Schauspieler*innen und durch Kamerafahrten. Das berühmteste Beispiel ist Alfred Hitchcocks Experiment aus dem Jahre 1963 ROPE – COCKTAIL FÜR EINE LEICHE, der den Eindruck eines ungeschnittenen Films entstehen ließ, obwohl das mit dem 35mm Material eigentlich nicht möglich war. Regisseure­ wie Theo Angelopoulos, Jean – Luc Godard, Robert Altman oder Alexander Sokurov setzten die Plansequenz gerne ein. Sebastian Schipper nutzte sie meisterhaft in seinem 2015 mit dem silbernen Bären ausgezeichneten Film VICTORIA. Das aktuellste Beispiel ist Sam Mendes´ Film 1917. Lassen sie sich also einfangen von dem ganz besonderen Kinoerlebnis der Plansequenz...
Übrigens wird COCKTAIL FÜR EINE LEICHE als 35mm Kopie in deutscher Sprachfassung laufen!
Aufblende ev. setzt die Reihe „Arbeit und Leben im Film der Weimarer Republik­“ fort und  präsentiert am 29. Februar und am 28. März zwei weitere Filmklassiker: CYANKALI von Hans Tintner nach dem Stück von Friedrich Wolf aus dem Jahr 1930 und den exemplarisch proletarischen Film KUHLE WAMPE ODER WEM GEHÖRT DIE WELT von Slatan Dudow und Bertolt Brecht aus dem Jahr 1932. Zu den Filmen wird jeweils eine Einführung gegeben.
Nach Jahren hat der amerikanische Regisseur Terrence Malick, „einer der großen­ Ästheten des Gegenwartskinos“ (Kinozeit.de) mit EIN VERBORGENES LEBEN wieder einen Film geschaffen, der von seiner ungeheuren poetischen und bildmächtigen Kraft zeugt.
Er erzählt in drei Stunden die Geschichte des österreichischen Bauern Franz Jägerstätter, der sich als Pazifist weigert, für die Nazis im 2. Weltkrieg zu kämpfen und selbst vor der drohenden Hinrichtung nicht von seinen Überzeugungen abweicht.
Eine ganz besondere Ausgabe des Tourneefestivals „Cinebrasil“ präsentieren wir vom 19. – 25. März, denn in diesem Jahr feiert das von „Cinemanegro“ und Sidney Martins organisierte Festival sein 15. Jubiläum und ist in mehreren Städten in Deutschland zu sehen, in Frankfurt – wie immer – bei uns im Filmforum. In der 18.30 Schiene sind als kleine Retrospektive sechs Filme der letzten Jahre zu sehen, in der 20.30 Schiene das aktuelle Programm mit sieben neuen Produktionen. Einer der Schwerpunkte liegt auf der afrobrasilianischen Kultur.
Vor allem beweist das Festival aber, dass das (kritische) Kino trotz finanzieller und anderer Einschränkungen in Brasilien noch existiert.
Poetisch und eher unspektakulär, aber äußerst sensibel, erzählt der japanische Regisseur Hirokazu Kore-eda meist ungewöhnliche Familiengeschichten, wie in seinen Filmen LIKE FATHER, LIKE SON oder SHOPLIFTERS – FAMILIENBANDE­, der 2018 in Cannes mit der goldenen Palme ausgezeichnet wurde. Auch in seinem neuen Film bleibt er seinem Thema treu, aber nicht seinem Land: LA VERITÉ­ –  LEBEN UND LÜGEN LASSEN spielt in Frankreich und erzählt eine Mutter – Tochter – Geschichte, grandios besetzt mit Catherine Deneuve und Juliette Binoche.
Tausende von Leser*innen haben DAS GEHEIME LEBEN DER BÄUME von Peter­ Wohlleben gelesen. Nun ist das Buch unter Mitwirkung des Autors von Jörg Adolph verfilmt worden. Wir zeigen diesen informativen und zugleich unterhaltenden Dokumentarfilm in der 3. Märzwoche, passend zum nahen Frühlingsbeginn.
Schließlich ist mit J´ACCUSE – INTRIGE der neue meisterhafte Film von Roman Polanski bei uns in der OmU Fassung zu sehen, der die Geschichte der „Dreyfus­ Affäre“ in beeindruckender Weise nacherzählt und Wissenslücken in Bezug auf die politischen Ereignisse der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich und den grassierenden Antisemitismus dieser Zeit schließt.





Eintritt 7€ (Frankfurt-Pass 3,50€)
Emmerich-Josef-Str. 46a // Ansage/Reservierung 069 212 45 714
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