Die Angst des Tormanns beim Elfmeter - Filmforum Höchst

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Die Angst des Tormanns beim Elfmeter

 
 
Fr 9.9. + Di 13.9. | 18.30

Wim Wenders | BRD 1972 | FSK 12 | 100 Min.  
Wenders’ Vorbild für seinen Erstlingsfilm war erklärtermaßen die Bildsprache von Hitchcock-Filmen. Er folgte der sehr „filmischen“ Vorlage von Peter Handke minutiös. Mit seinem Kameramann Robby Müller und seinem Cutter Peter Przygodda, die schon bei seinem Abschlussfilm an der Münchner Hochschule dabei gewesen waren, setzte er mit „Der Angst des Tormanns“ eine Arbeit fort, die dieses Team für Jahre zusammenschweißen würde.
„Seine Technik, die Handlung anhand von Bildern aufrecht zu erhalten, macht DIE ANGST DES TORMANNS BEIM ELFMETER zu einem Meilenstein für das junge deutsche Kino.“ (FAZ)

Auch wenn der Titel und ebenfalls der Anfang des ersten Spielfilms von Wim Wenders stark darauf hindeuten, dass es sich hierbei um eine Fußballgeschichte handelt, geht es in DIE ANGST DES TORMANNS BEIM ELFMETER aus dem Jahre 1972 nur bedingt um den populärsten deutschen Sport. Vielmehr entwickelt sich aus dem recht unspektakulären Abgang eines Torwarts während eines Spiels vom Fußballplatz ein Roadmovie, das durch das Ereignis eines Mordes zu einem Thriller gerät, der allerdings die klassischen Elemente und Ausformungen dieses Genres überwiegend ignoriert.
Er wirkt insgesamt recht unkonzentriert beim Spiel seiner Mannschaft in Wien, der Profi-Tormann Josef Bloch (Arthur Brauss), und nach einem Foul sowie einem kleinen Gerangel mit dem Schiedsrichter wird er des Platzes verwiesen. Bloch kleidet sich um, packt seine Sporttasche und fährt spontan mit der Straßenbahn in die Stadt, mietet sich in einem Hotel ein und lässt sich erst einmal im anonymen urbanen Raum treiben. Schüchtern ist er nicht, besucht gern gesellige Lokalitäten, hält hier und da ein Schwätzchen, ist offensichtlich ein Frauentyp, der bei unverbindlichen Begegnungen rasch in Intimitäten gerät, und offensichtlich ein großer Fan von Filmen und Musik – jede Jukebox schmeißt er an, jedes Radio lässt er spielen, und in Sachen aktueller Filme ist er gut orientiert. Dies ist der Eindruck, den der Zuschauer eingangs von der Hauptfigur des vermutlich ungebunden lebenden Berufssportlers gewinnt, und im Verlauf der Dramaturgie ereignet sich kaum ein Zuwachs an Informationen über die bisherige Existenz dieses Mannes, der unvermittelt und ohne ersichtliche Motivation zum Mörder wird…

Auf Grund der ungeklärten Musikrechte des im Film ursprünglich gespielten, atmosphärisch bedeutsamen Liedguts konnte IE ANGST DES TORMANNS BEIM ELFMETER nicht öffentlich aufgeführt werden, wurde aber in einer ansprechend durch die Wim Wenders Stiftung restaurierten Fassung mit einem Austausch einiger ehemaliger Songs etwa von Elvis Presley auf der diesjährigen Berlinale gezeigt, im Rahmen welcher der Filmemacher mit dem „Goldenen Ehrenbären“ ausgezeichnet und durch eine Hommage mit der Aufführung von zehn Filmen seines Werks geehrt wurde.

Nicht selten auch als „existenzieller Thriller“ bezeichnet, fokussiert oder moralisiert IE ANGST DES TORMANNS BEIM ELFMETER das Verbrechen, den Mord, nicht als solchen oder thematisiert gar die Ermittlungen oder auch nur die Aufklärung hinsichtlich eines Tatmotivs, sondern bleibt beharrlich nah am Täter, der selbst nur selten – und dann allenfalls situativ oder flüchtig – den Aspekt der Nähe, des Vertrautseins zu anderen Menschen herzustellen vermag, und selbst bei den visuell ausgesparten Intimitäten mit Frauen herrscht Distanz vor. Erst am Ende erleben wir den tristen Torwart in einer engagierten symbolträchtigen Rede.
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